Ausstellung

„FrauenGestalten“ 3 – GEDOK Freiburg
Dritte von drei Ausstellungen im Rahmen des Stadtjubiläums „Freiburg 2020″

Ausstellungsdauer: 30.04.-30.05.2021

Vernissage: Freitag, 30. April 2021, 19 Uhr
Begrüßung: Gabriele Frey, Vorsitzende
Einführung: Christiane Grathwohl-Scheffel, Kunsthistorikerin

depot.K | Lehener Str. 30 | 79106 Freiburg
Öffnungszeiten: Di – Fr 16 – 19 h, Sa + So 14 – 17 h

Die Veranstaltung findet unter Beachtung der zum Zeitpunkt der Ausstellung geltenden Corona-Regeln statt. Falls diese eine Voranmeldung verlangen, bitten wir um Anmeldung unter GEDOK Freiburg, Tel.: 0761 156 206 02 (AB)

Ausstellende Künstlerinnen: Carola Faller-Barris, Ruth Gast, Christa Heck, Diethild Herbolzheimer-Böttner, Ellen Korth, Angelika Link, Chris Popovic, Christel Andrea Steier, Ruth Rosa Stützle-Kaiser, Brigitte Liebel, Frauke Witzel.

>> Am 9. April, um 17 Uhr, depot.K: Aufführung der Performance Die Neun Musen mit Tonband, Saxofon und Fagott mit Mia Schmidt, Hanna Schüly und Annette Winker.

Bildlegende: © GEDOK Freiburg e.V.

1) Ruth Gast | Schwarzwaldmädel, 2019 | Öl / Acryl auf Leinwand | 91×78 cm
2) Diethild Herbolzheimer-Böttner | Schreie der Anna Meyerin, 2019 | Radierung / Tiefdruck | Platten 20/15 cm, Papier 56,5/39,5 cm, Rahmen (59,4/42 cm)
3) Chris Popovic | Lisbeth und Julius Bissier. Verwoben, 2020/21 | Installation. Komp.elemente aus Ahornsperrholz, weiße Fäden, Spindeln | 2,20 x 2,55 x 2,20 m, Detail

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FrauenGestalten lautet der Beitrag der GEDOK Freiburg e.V. (Gemeinschaft der Künstlerinnen und Kunstfördernden) zum Jubiläum der Stadt Freiburg.

Gewollt doppeldeutig:
Frauengestalten haben an der 900-jährigen Geschichte der Stadt Freiburg maßgeblich, aber oft unsichtbar, mitgewirkt. In den Geschichtsbüchern sind nur wenige Namen überliefert.

Frauen gestalten das soziale, wirtschaftliche und kulturelle Leben einer Stadt. 37 Künstlerinnen der GEDOK treten in einen Dialog mit bekannten oder unbekannten, historischen, zeitgenössischen oder fiktiven Frauen aus dem Leben der Stadt Freiburg und rücken sie ins Licht der Öffentlichkeit. Da tauchen bekannte Namen aus der Geschichte Freiburgs auf, aber auch unbekannte, heutige Frauen aus dem Alltag unserer Stadt. Die künstlerische Auseinandersetzung mit einer realen oder fiktiven Figur wird in unterschiedlichen Medien umgesetzt: Fotografisch, filmisch, malerisch, zeichnerisch, literarisch, musikalisch, skulptural, tänzerisch.

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Das Projekt ist in drei Ausstellungen gegliedert:
>> III. Aktuell: 30.04. – 30.05.2021, depot.K (Lehener Str. 30 | 79106 Freiburg)

Zu den Künstlerinnen:
> Carola Faller-Barris | Ein Nonnenhabit nebst Schleier, versehen mit einem Judenstern: Diese Installation „Für unser Volk“ mit den Symbolen beider Religionen – Judentum und Christentum – verweist auf Edith Stein, die jüdischer Herkunft war und später Nonne wurde, sich aber beiden Religionen zugehörig fühlte. Die Geste der flüchtig auf dem Garderobenständer zurückgelassenen Gewänder bildet einen starken Hinweis auf ihre Ermordung durch die Nazis.

> Ruth Gast | Das Gemälde „Schwarzwaldmädel“ spielt mit Symbolen einer heilen Schwarzwald-Welt, die längst nicht mehr heil ist. Die verkümmerten schwarzen Bollen auf dem Hut verweisen auf ihren Ehestand, dessen ungeachtet sie von ihrem Liebhaber, einem Hirten, ein winziges Lamm dargereicht bekommt. Das rasende Auto im Hintergrund verpestet die Täler, indes das Freiburger Münster (rechts) zum nur mehr verblassten Freiburg-Attribut verkommt. Die sich dem Mund nähernde, erschrockene Geste der Frau zeigt: Nichts ist mehr so wie es war.

> Christa Heck | Neben all den bekannten Frauen-Gestalten zeigt diese Fotocollage eine auf dem Boden hockende, nackte „Frau aus dem Volke“, wie sie für alle Frauen (Freiburgs) stehen könnte. Ihre vom Betrachter abgewandte Haltung ist graziös. Ein kreisförmiges Bildsegment aus der Bildmitte, auf dem – sozusagen als Hingucker und Zentrum der Betrachtung – ihre Brüste zu sehen sind, wurde aus diesem an den Bildrand entrückt; und befreite damit den Blick auf eine von ihrer Sexsymbolik erlöste Frau.

> Diethild Herbolzheimer-Böttner | Ausgestellt ist mit „Die Schreie der Anna Meyerin“ eine von drei inhaltlich zusammengehörigen Radierungen über die Not der unschuldig als Hexe beschuldigten Frau. Drei Rottöne – roter Ocker, Sanguine und Rot – offenbaren eindrücklich die an ihr verübte Gewalt, indes die bewegten Formen und Linien, in unterschiedlicher Tiefe in die Platten geritzt, die dramatische Dynamik der ungeheuerlichen Vorgänge in dieser dunklen Freiburger Ära erkennen lassen.

> Ellen Korth | Die Installation „Hanni Rocco. Im Rahmen bleiben“ zeigt Kästen aus Ton. Als Model wurden Plastikformen (Abfallmaterial aus Pralinenkästen) mit Tonplatten ausgelegt. Deren Abdrücke kehren den Prozess um, die neuen Formen in Ton entfremden das Original: anstelle der Einzeldelikatessen locken abstrakte, haptisch an die Pralinen erinnernde Formen mit Rahmen.

> Brigitte Liebel | Über 100 Artikel schrieb Mineko Imaizumi für das japanische Umweltmagazin „global net“. In ihren Texten und Veröffentlichungen stellte sie unermüdlich Freiburg als Pionierstadt für Umweltthemen vor und sensibilisierte ihre japanische Leserschaft über Jahre für Umweltbewusstsein und Ökologie nach dem Vorbild der „Green City“.

> Angelika Link | Was hätte die Welt nur gewonnen, wenn all die Millionen als „Hexen“ gefolterten und verbrannten Frauen, Hebammen und Kräuterkundigen ihr Wissen in Schulen und Universitäten zu einer Vereinigung von Schulmedizin und Kräuterkunde hätten erweitern können? Was wäre gewesen, wenn alleinlebende (und verheiratete) Frauen sich einem Gewerbe oder einer Kunst hätten widmen können? Frauenverachtung und -hass (Misogynie), im Mittelalter verstärkt und von kirchlicher Seite geschürt, ist auch heute noch evident. Die Arbeit „Frauen, die mit Wiesen reden“ bezieht sich auf die drei Freiburger Frauen Margaretha Mößmerin, Anna Wolffartin, Catharina Stadellmenin, die 1599 mit neun weiteren Frauen als Hexen enthauptet und verbrannt wurden.

> Chris Popovic | Die Installation „Lisbeth und Julius Bissier. Verwoben“ verweist auf die Zusammenarbeit und künstlerische Symbiose des Künstler-Ehepaars. Ausgangspunkt der Arbeit ist ein exemplarisch für das Gesamtwerk stehender Holzschnitt von Julius Bissier von 1954, dessen zehnfache Vergrößerung an die Decke montiert ist. Die Spindel steht symbolisch für Lisbeths Bissiers künstlerisches Handwerk, die Weberei. Einzelne, an Fäden von der Decke herabhängende Spindeln stellen die Verbindung zu Lisbeth Bissiers Schaffen her, die mit der Übertragung von Entwürfen ihres Mannes in das Design ihrer gewebten oder geknüpften Teppiche ganz nebenbei den Lebensunterhalt des Paares erwirtschaftete.

> Christel Andrea Steier | Im Stil der 30er Jahre reflektiert das Objekt „Bertas Kleid – eine Hommage“ auf die kurze Zeit im Leben der Berta Ottenstein, die sie – deutschlandweit erste Frau, die sich im Fach Dermatologie habilitierte – in Freiburg als Dermatologin praktizieren durfte. Aneinander gereihte Nahaufnahmen von Haut transzendieren zwischen innen und außen, Wahrnehmbarem und Verborgenem, „Ich“ und „Du“. Für das Kleid wurden Fotos verwendet, die sowohl Alterungsprozesse, Verletzungen, Störungen oder Manipulationen wie z.B. Tattoos dokumentieren. Motive aus dem Freiburger Münster an den Besätzen von Hals,- und Armausschnitt und am Gürtel verorten die Arbeit in den Freiburger Kontext.

> Ruth Rosa Stützle-Kaiser | Die textile fünfteilige Wandinstallation „Der Stoff des Lebens“ rekurriert auf ihren Wortursprung „Textur“ als eine Art „Geflecht, Gespinst“. Jede der einst zusammenhängenden „Tafeln“ oder „Schriftrollen“ repräsentiert eine Frau, ein Leben: Sofie Braun, Lina Fleischmann, Jette Judas, Rosa Regina Bloch, Dr. Hedwig Weil. Die dem Textil ein- und aufgeschriebenen Schriftzeichen und Muster erzählen mögliche Anekdoten, Begebenheiten, Poesie. Konkret sind die Namen und Geburtsdaten der 1939 zwangsweise umgesiedelten und 1942 deportierten Frauen eingestickt.

> Frauke Witzels Skulptur | „Umbaute Luft“ aus Sandstein und Stahl reflektiert Yvonne Fallers (Freiburger Münsterbaumeisterin) Beschreibung der Architektur des Münsterturms, die ja eine, durch die Gestaltungsmerkmale Horizontale und Vertikale bestimmte, materialminimierte Konstruktion darstellt. Ein innenliegendes Stahlband auf jeder horizontalen Ebene gibt dem Turmhelm seit 700 Jahren den nötigen Halt. Dieses Bauprinzip ist in der Skulptur adaptiert und sichtbar gemacht. Ein Spiegel ermöglicht einen besonderen Blick in die architektonische Skulptur, die trotz ihrer Reduktion auf das Nötigste stabil ist.
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Am 9. April, um 17 Uhr, greifen die Musikerinnen Mia Schmidt (Komposition), Hanna Schüly (Saxophon) und Annette Winker (Fagott) in ihrer Musikperformance mit Tonband und einer Saxophon-/Fagott-Improvisation das Thema der „Neun Musen“ auf, indes sich drei verschiedene Sichtweisen und Arbeitsprozesse im Moment der Aufführung zum Gesamtklang aus den Elementen Klanginstallation und Improvisation vereinen.

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>> I. Vorbei: 20.10.2020 – 09.04.2021, Karl Rahner Haus (Habsburgerstr.107)
Ausstellende Künstlerinnen: Susanne Allgaier, Waltraut Brügel, Veronika Grüger, Ria Hochmann, Michaela Höhlein-Dolde, Angelika Klemme, Marianne Maul, IngOhmes und Karin Gutmann-Heinrich, Regine Pustan, Simone Rosenow, Irene Schüller, Elisa Stützle-Sigsmund

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>> II. Verlängert: 08.03. – 28.05.2021, VHS im Schwarzen Kloster (Rotteckring 12)
Ausstellende Künstlerinnen: Kathrin Deusch, Evelyn Höfs, Christine Huss, Almut Quaas, Birgit Straub, Brigitte von Savigny.


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Die GEDOK gründete sich 1926 in Hamburg mit dem Ziel, Künstlerinnen aller Sparten bundesweit zu vernetzen und ihnen in der Öffentlichkeit eine Plattform zu geben. Seit 1962 gibt es die GEDOK Freiburg e.V. mit inzwischen über 160 Mitgliedern: Bildende und darstellende Künstlerinnen, Literatinnen, Musikerinnen und Kunstfördernde, die unser Anliegen unterstützen. Am kulturellen Leben in Freiburg sind wir aktiv beteiligt mit einem breiten Angebot an Ausstellungen, Konzerten, Aktionen und Kunstfahrten.